Archiv der Kategorie: Politik

Bundeswehr empört über Medal of Honor

Der Bundeswehrverband zeigt sich entsetzt über den neuen Shooter von Electronic Arts. Grund dafür ist, dass der Schauplatz des neuesten Teiles des Shooter-Klassikers nicht, wie seine Vorgänger, im 2. Weltkrieg angesiedelt ist, sondern in Afghanistan.

Wilfried Stolze, Sprecher des Bundeswehrverbands, kritisiert im Nachrichtenmagazin Focus: „Es ist widerwärtig, so ein Spiel auf den Markt zu bringen, während in Afghanistan Menschen sterben“. Liam Fox, der britische Verteidigungsminister geht noch einen Schritt weiter und fordert die britischen Händler auf Medal of Honor aus dem Sortiment zu nehmen. „Ich bin angewidert und verärgert. In meinen Augen ist es unvorstellbar, solch ein unbritisches Spiel in den Händen eines Bürgers zu sehen,“ so Fox.

Electronic Arts hingegen reagiert gelassen. „Wenn aktuelle Gewalt in Büchern, Filmen oder im TV thematisiert werden darf, warum nicht auch in einem Game?“, lies der kalifornische Publisher verlauten.

Daddeln im Bundestag

Wenn Abgeordnete schon kaum zu Debatten und Abstimmungen im Bundestag erscheinen, vielleicht kann man Sie ja mit Computerspielen zurück in den Plenarsaal locken? So oder so ähnlich haben die Initiatoren der Lan-Party im Bundestag hoffentlich nicht gedacht.

Im Herbst 2010 soll nach Angabe der Initiatoren Dorothea Bär (CSU), Manuel Höferlin (FDP) und Jimmy Schulz (FDP) eine LAN-Party im Deutschen Bundestag für die 622 Abgeordneten stattfinden. Es stehen zwar weder der genaue Termin fest noch welche Spiele angeboten werden sollen aber immerhin ist schon beschlossen, dass nicht nur Denk-, Geschiklichkeits- und Sportspiele geben soll, sondern auch mindestens einen aktuellen Ego-Shooter. Während der Ankündigung sagte Schulz: „Es geht darum, die Diskussion zu versachlichen und bei den Abgeordneten die Berührungsängste abzubauen„.
Die Veranstaltung findet in zusammenarbeit mit dem BIU, Turtle Entertainment und der Bundeszentrale für politische Bildung statt. Dabei kümmern sich die ersten beiden auch um die technische Seite der LAN.

Junge Piraten und Pirate Gaming unterstützen Petition gegen Indizierung

Als Erstunterzeichner unterstützen die Jungen Piraten und der Pirate Gaming e.V. die Petition des Verbands für Deutschlands Video- und Computerspieler (VDVC) gegen die Indizierung von Kulturgütern.
„Mit der Indizierung befindet sich die deutsche Politik auf dem Holzweg. Das wichtige Ziel des Jugendschutzes wird durch sie nicht gefördert. Stattdessen verhindert die Indizierung eine differenzierte Auseinandersetzung mit Medieninhalten auch durch erwachsene Rezipienten“, bemängelt Julia Reda, Vorsitzende der Jungen Piraten. Sven Krumbeck, Vorsitzender von Pirate Gaming, fügt hinzu: „Der deutsche Jugendschutz ist einer der härtesten der Welt. Große Erfolge hat diese Verbotspolitik nicht vorzuweisen. Es muss ein Umdenken erfolgen.“

Der folgende Petitionstext kann auf www.ich-bin-gamer.net mitgezeichnet werden:
Indizierung und Verbote sollen Maßnahmen zum Jugendschutz sein, sind aber in der heutigen Zeit eher das Gegenteil. In einer Zeit, in der sich das Nutzungsverhalten des eigenen Nachwuchses mit Hilfe technischer Mittel sehr genau nachvollziehen lässt, jeder Inhalt jedoch nur einen Klick entfernt liegt, wiegt eine Verdrängung bestimmter Medien aus der öffentlichen Wahrnehmung Eltern in einer falschen Sicherheit. Die Praxis der Indizierung erschwert damit vor allem geistig reifen Interessenten die legale Auseinandersetzung mit Inhalten, die sich explizit an Erwachsene richten. Hier ist zu bedenken, dass Videospiele wie auch Filme und Bücher einen Spiegel der Gesellschaft darstellen, die kulturelle Ängste und Sorgen aufgreifen, bei der Verarbeitung helfen und Anregung zur Diskussion geben können. Mit fortschreitender Reife eines Mediums ist verstärkt kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt zu beobachten, rigorose Verbote von Gewaltdarstellung könnten hier die  Entwicklung des noch jungen Kulturguts im Keim ersticken. Die gesellschaftliche Verantwortung gebietet folglich, sich sich für ein  Ende der Indizierung und gegen die Einführung weiterer Zensurmaßnahmen  einzusetzen. Wir fordern also: indizierungkarikatur

  • die unmissverständliche Klarstellung, dass Verantwortung nicht durch Verbote ersetzt werden kann;
  • die  Stärkung der Verantwortung der Erziehungsberechtigten, sowie die  Einleitung entsprechender Maßnahmen, damit diese ihrer Verantwortung  leichter nachkommen können;
  • den Verzicht auf Verbote, die lediglich aufgrund von Gewaltdarstellung erfolgen;
  • die Abschaffung der veralteten Methode der Indizierung.

Aktionsbündnis Winnenden igelt sich ein

Pirate Gaming und die Jungen Piraten sind enttäuscht über die Antwort des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden auf den Offenen Brief des VDVC, Pirate Gaming und der Jungen Piraten. Während diese drei Organisationen dem Aktionsbündnis die Zusammenarbeit anbieten, um sinnvoll gegen Gewalt an Schulen vorzugehen, schlägt das Bündnis alle Annäherungsversuche aus und argumentiert weiterhin unfundiert und ohne auf die Argumente anderer näher einzugehen.

„Das Aktionsbündnis offenbart einen erschreckenden Mangel an fachlicher Auseinandersetzung mit Computerspielen“, kritisiert Heiko Herberg, der Vorsitzende der Jungen Piraten. „Die Aussagen des Aktionsbündnisses entbehren jeder Grundlage.“ Obwohl im gemeinsamen offenen Brief dargelegt wurde, dass Ego-Shooter nicht vom US-Militär zur Senkung der Tötungshemmung eingesetzt werden, greift Schober sogar dieses Vorurteil wieder auf. Somit bestätigt die Reaktion Anschuldigungen der Gamer, der AAW-Vorsitzdende wiederhole Unwahrheiten wider besseres Wissen.

„Wer überall nur Gegner sieht und engstirnig alle Hilfe ablehnt, lebt weit entfernt von der Realität und ist nur noch zu bedauern“, sagt Sven Krumbeck, der Vorsitzende des Vereins Pirate Gaming.

Offener Brief an das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden

Pirate Gaming unterzeichnet zusammen mit den Jungen Piraten und dem Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler einen Offenen Brief an das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden. Wir treten der Stigmatisierung des Gamings entschieden entgegen.
Zusammen mit den anderen Unterzeichnern setzen wir uns dafür ein, dass die Kriminalisierung von Computerspielen ohne stichhaltige Begründungen gestoppt wird, denn wir möchten uns nicht als Gegner sondern als Verbündete im Kampf um eine bessere und gewaltfreie Zukunft engagieren.

Sehr geehrte Damen und Herren
der Stiftung Gewalt gegen Schulen,
des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden,
sehr geehrte Unterstützer und Assoziierte,

Mit Schrecken mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass Sie innerhalb des letzten Monats gleich zwei Vorstöße zum Verbot von sogenannten „Killerspielen“ unternommen haben. Sowohl die Unterschriftenaktion, von der am 19.06. berichtet wurde, als auch Ihr Appell an den deutschen Bundestag stellt eine Abkehr von Ihrem Bekenntnis dar, derartig absolute Einschränkungen für Herstellung, Vertrieb und Konsum von Computer- und Videospielen mit Gewaltinhalten nicht mehr zu fordern. Noch im Dezember 2009 äußerte sich Gisela Mayer, Ihre damalige Pressesprecherin, ablehnend zu einem Verbot – mit der absolut richtigen Begründung, dies würde die Selbstbestimmung erwachsener Menschen zu sehr beeinträchtigen.

Insgesamt vermissen wir die Sachlichkeit, die Ihr Handeln besonders im Gesbeeinträchtigen.präch mit dem Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler auszeichnete. Leider aber sprechen Sie inzwischen wieder von „Killerspielen“ – ein unsachlicher Kampfbegriff, der nicht nur irreführend ist, sondern auch von nicht wenigen Spielern als beleidigend empfunden wird: Er setzt diejenigen, die Ego-Shooter spielen, mit professionellen Auftragsmördern („Killern“) gleich. Auch verdeckt er, dass der Zweck von Ego-Shootern, entgegen den Aussagen Ihres Bündnisses, nicht das Trainieren von Mord und Totschlag ist, sondern der freundschaftliche, sportliche Wettbewerb in Reaktionsgeschwindigkeit, Gruppenkoordination und Taktik.

Erwerb und Herstellung von Spielen eines ganzen Genres zu verbieten, halten wir für unverantwortlich. Einerseits ist es erwachsenen, mündigen Bürgern damit nicht mehr möglich, ihrem Hobby legal nachzugehen. Ein generelles Verbot würde einen sehr großen Anteil an Mitbürgern völlig unnötig kriminalisieren. Verherrlichung von und Aufforderung zu Gewalt sind unabhängig vom Träger-Medium bereits verboten. Dieses Verbot kann als gesamtgesellschaftlich gefestigt betrachtet werden. Durch neue, undifferenzierte Verbote könnte auch die Akzeptanz dieser anderen Verbote ins Wanken gebracht werden. Es wäre nicht mehr möglich, zwischen Titeln zu unterscheiden, die Gewalt verherrlichen und solchen, die nur als jugendgefährdend einzuschätzen sind. Andererseits kann auch durch ein generelles Verbot (zweifellos stattfindende) Verbreitung von Computerspielen unter Jugendlichen nicht kontrolliert werden. Die Tauschbörsen des Internets kennen keine Ausweiskontrollen wie sie die Verkäufer im Fachhandel durchzuführen verpflichtet sind. Ein Verbot konterkariert dadurch jedwedes Ziel des Jugendschutzes, sondern erzeugt im Gegenteil nur ein trügerisches Gefühl von Sicherheit.

Weiterhin sind Computerspiele immer noch genau das: Spiele. Wir, die Spieler, wissen genau, dass wir uns in einer lediglich fiktiven Umgebung bewegen, deren Regeln die der „wirklichen Welt“ in keinster Weise beeinflussen. Das beginnt bei schlichter Physik (der Umgebung im Allgemeinen aber auch der Waffen und deren Wirkung im Speziellen) und hört bei den Moralvorstellungen nicht auf. Wir wissen genau: Was im Spiel erlaubt sein kann, ist es deswegen in der Realität noch lange nicht! Und weiter: Was im Spiel funktioniert, funktioniert deswegen in der Realität ebenso wenig zwingend! Wir sind der Ansicht, dass ein Verbot von Videospielen, mögen sie auch Gewalt beinhalten, falsch ist und nicht zur Lösung von gesellschaftlichen Problemen beiträgt. Auch sind Verbote von Kulturgütern wie PC- und Videospielen nicht dazu geeignet, Gewalt, in welcher Form auch immer, zu verhindern. Wir stellen weiterhin in Zweifel, dass überhaupt kausale Zusammenhänge (und seien es nur maßgebliche Teilaspekte) zwischen dem Konsum von Computerspielen und den schrecklichen Bluttaten eines Amoklaufs bestehen. Allein die große Verbreitung von Computerspielen und die (Gott sei Dank!) sehr geringe Anzahl an Amokläufen spricht dagegen, dass fiktive Gewalt zu realer Gewalt führt. Als weiterer Beleg lässt sich anführen, dass es auf Veranstaltungen von Computerspielern nie zu Gewalt kommt, obwohl sich teilweise mehrere tausend Menschen ohne jeglichen Einsatz von Security auf engstem Raum befinden.

Es ist tragisch, dass in der jüngsten Vergangenheit immer mehr junge Menschen zu Gewaltausbrüchen neigen. Gemeinsam ist den Tätern aber vor allem eines: Sie fürchteten um den Verlust ihres gesellschaftlichen Status, fühlten sich isoliert und am Rande der Gesellschaft stehend. Wir sehen das Problem vielmehr in der Gesellschaft, die diejenigen Mitglieder, die schwerwiegende Probleme haben, nicht ausreichend betreut. Anstatt Sturm gegen eine ungefährliche Freizeitbeschäftigung der Mehrheit junger Menschen zu laufen, sollte sich gerade ein Bündnis und eine Stiftung mit Ihrer Ausrichtung und Ihrem Hintergrund den mangelnden sozialen Sicherungen an Schulen annehmen. Stigmatisieren Sie bitte nicht unzählige Computerspieler, indem Sie immer wieder Angst schüren!

Wir würden uns sehr darüber freuen, demnächst positivere Aussagen von Ihnen zu hören. Wir unterstützen das Anliegen voll und ganz, die Schulen und schließlich die Gesellschaft zu einem friedlichen Ort zu machen, in dem niemand Gewalt gegen andere ausübt. Daher sind wir auch gerne zu gemeinsamen Gesprächen bereit. Doch müssen wir uns zuvor energisch gegen die fortwährende Diskriminierung als Mörder und Verbrecher wehren! Wir sind friedliche Menschen, wir lehnen Gewalt ab. Wir haben lediglich ein Hobby, durch das niemand verletzt und das in allen Bereichen der Gesellschaft ausgeübt wird. Wir möchten uns dafür nicht länger rechtfertigen müssen. Die auch durch Sie vorangetriebene Vorverurteilung ist schon so weit vorangeschritten, dass einige Menschen sich bereits nicht mehr trauen, öffentlich zu ihrer Freizeitbeschäftigung zu stehen. Eine Spaltung der Gesellschaft durch ausufernde Verbotsdebatten ist jedoch genau das falsche Signal, wenn es um den Kampf gegen Gewalt geht.

Es ist traurig, dass Sie offenbar immer noch einen Eindruck von uns haben, der uns als Ihre Gegner erscheinen lässt. Dabei sollte uns der Einsatz für eine bessere Zukunft doch vielmehr einen.

Hochachtungsvoll,

Junge Piraten, vertreten durch den Vorsitzenden Heiko Herberg

Pirate Gaming e.V., vertreten durch den Vorsitzenden Sven Krumbeck

Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler, vertreten durch den Vorsitzenden Patrik Schönfeldt

Blizzard will den gläsernen Gamer

Update: Blizzard hat nach massiver Kritik aus allen Reihen und Demonstrationen der Möglichkeiten (teilweise wurden Daten über die Blizzard Mitarbeiter und deren Familien zusammen getragen um die Gefährlichkeit und Umfänge zu demonstrieren) die Ankündigung zurück gezogen. Ein Klar-/Vollnamen Forum soll es nicht geben. Die bereits eingeführte Funktion von Klarnamen in der Freundesliste im Spiel wird es aber weiterhin geben. Mit vollen Namen im Starcraft 2 Forum ist glücklicherweise also wohl auch nicht mehr zu rechnen.

Wir zitieren aus gegebenem Anlass eine Pressemitteilung der Jungen Piraten:

Mit Bestürzung nehmen die Jungen Piraten zur Kenntnis, dass der Computerspiele-Entwickler Activision Blizzard den Datenschutz in seinen Spielen, darunter das weit verbreitete Multiplayer-Onlinespiel World of Warcraft (WoW), komplett aufheben will. Ab 27. Juli können die Internetforen von Blizzard, über die neben Diskussionen auch aktuelle Informationen und Support für die Spiele abgewickelt werden, nur noch unter Veröffentlichung des vollen Namens von Kunden verwendet werden.

„Mit der Entscheidung von Activision Blizzard sind die Persönlichkeitsrechte von Millionen Deutschen in Gefahr“, kritisiert André Ulrich, Chef der WoW-Gilde des Pirate Gaming e.V. Allein World of Warcraft hat weltweit über elf Millionen Abonnenten.

Die Reaktion der Nutzer im offiziellen Forum von World of Warcraft zeigt die volle Palette der Gefährdungen, die von dieser neuen Praxis ausgehen: Spieler berichten über ihre negativen Erfahrungen mit Identitätsdiebstahl, Stalking und persönlichen Racheakten, die durch Veröffentlichung scheinbar unbedeutender persönlicher Daten im Netz entstanden sind. Von den über 35.000 weitestgehend bestürzten Forenbeiträgen seiner Kunden zeigt sich Activision Blizzard bislang völlig unbeeindruckt.

Die ursprünglich freiwillig aktivierbare Funktion „Real ID“, mit der man die Klarnamen von befreundeten Spielern einsehen kann, wird nun schrittweise auf immer größere Bereiche der Spiele von Activision Blizzard ausgeweitet. Für Heiko Herberg, den Vorsitzenden der Jungen Piraten, ist klar: „Datenschutzbewusste Bürger werden um die Online-Spiele von Blizzard in Zukunft einen weiten Bogen machen müssen!”

Spiele töten keine Menschen

Die Toleranz behielt nicht lange die Oberhand: Noch kurz vor Weihnachten des letzten Jahres hatte das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden (auch bekannt als Stiftung gegen Gewalt an Schulen) zusammen mit dem VDVC (Verband für Deutschlands Video- und Computerspieler) verkündet, von einem allgemeinen Verbot für PC- und Videospiele, die die Darstellung von Gewalt beinhalten, abzurücken.

Davon kann nun keine Rede mehr sein: In einem offiziellen Appell an den Bundestag fordert das Aktionsbündnis ein generelles „Verbot von Killerspielen, die dazu dienen, virtuell Menschen zu ermorden“.

Jegliche Hoffnungen, dass dieses Aktionsbündnis, das ein an sich wichtiges Ziel verfolgt, sich nicht von Pseudo-Kausalitäten täuschen lässt, sondern tatsachenorientiert arbeitet, sind damit zunichte. In der Tat sind direkte Beziehungen zwischen Computerspielen mit Gewaltinhalten und Gewalttaten in der Realität nicht herzustellen. Es ist absurd, sich vorzustellen, dass „First Person Shooter“ etwas anderes trainieren als bestenfalls Reaktion und Hand-Augen-Koordination. Die Idee, dass damit das Töten von Menschen oder auch nur der Umgang mit der Waffe trainiert werden könnte, entbehrt jeder Grundlage.

Diese Erkenntnis musste unlängst die US-Armee machen, die in einem Bericht zu dem Schluss kam, übermäßiger Konsum von Computerspielen setze die körperlichen Fähigkeiten im Umgang mit der Waffe maßgeblich herab. Inhalte ganzer Lehrgänge müssten umgestellt werden, um sich den neuen Gegebenheiten anzupassen.

Das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden hat von diesen Tatsachen offenbar noch keine Kenntnis genommen. Sie führen weiterhin Computerspiele mit Gewaltinhalten als teilkausal für Amokläufe an und setzen sich nicht mit der Realität auseinander, dass nicht Computerspiele es sind, die Aggressionen hervorrufen und fördern, sondern ein ausgrenzendes soziales Umfeld und menschliche Vereinsamung. Diese Symptome können nicht mit Verboten von Kulturgütern bekämpft werden. Vielmehr muss die Betreuung von Schülerinnen und Schülern im Vordergrund stehen, die Maschen des sozialen Netzes enger geflochten werden, damit Jugendliche erst gar nicht in die Situation kommen, einen Amoklauf als letzten Ausweg ihrer Hilflosigkeit zu sehen.

Natürlich ist jeder einzelne Amoklauf unsagbar schlimm. Aber wenn ein Mensch psychisch so krank ist, dass er die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht mehr wahrnehmen kann, dann ist ihm nicht durch den aussichtslosen Versuch zu helfen, ihn von jeglichen fiktiven Inhalten fernzuhalten. Ein Verbot der Fiktion ist nicht nur sinnlos, sondern auch unmöglich – darüber hinaus schadet es allen anderen Mitgliedern der Gesellschaft. Die Nachahmung fiktiver Gewalttaten ist immer nur ein Ventil, das Fehlen eines Vorbilds verhindert nicht den Gewaltausbruch.

Das Aktionsbündnis schlägt hier einen gefährlichen Weg ein. Die Kriminalisierung von großen Teilen der Jugend trägt nicht dazu bei, sie für ein soziales Miteinander zu sensibilisieren. Im Gegenteil muss die Medienkompetenz von Jugendlichen gefördert werden. Anstatt Computerspiele zu dämonisieren, muss ein verantwortungsvoller Umgang stattfinden, die Grenzen zwischen Realität und Fiktion eindeutig gezogen werden. Allen Beteiligten muss klar sein, dass es eben nur ein Spiel ist und mit dem Verhalten in der Realität nichts zu tun hat. Im Gegensatz zu so manchen selbsternannten Jugendschützern ist diese Einstellung in den Köpfen der meisten Computerspieler auch tief verankert.

Es bleibt zu hoffen, dass das Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden zu der Einsicht kommt, dass es seinen Zielen durch die Forderung nach einem allgemeinen Verbot mehr schadet als nützt. Die Verhinderung weiterer Amokläufe, ob an Schulen oder anderswo, ist eine wichtige Aufgabe und es ist gut, dass ein so engagiertes Bündnis aus Eltern sich dieser Aufgabe annimmt. Solange aber die Entmündigung von Jugendlichen und nicht deren Erziehung zum erwachsenen und selbstbestimmten Menschen im Vordergrund der Bestrebungen stehen, trägt das Bündnis nichts zur Lösung des Problems bei.

– Gastbeitrag von Simon G., Junger Pirat aus Berlin | Ebenfalls erschienen auf www.junge-piraten.de

Big-Brother-Großbritannien wird wieder zum kleinen Bruder?

Seit Jahren ist England, insbesondere London, Vorreiter in Sachen Überwachungsstaat. Durch den Regierungswechsel nach der letzten Wahl scheint sich das Blatt nun aber zu wenden.

Mit Schrecken musste man in den letzten Monaten und Jahren nach Großbritannien und London hinüber schauen. Dort nahmen sämtliche Arten von Überwachung zu. Sicherlich nicht zuletzt deswegen wurde die lange allein regierende Partei nun abgewählt.

London ist die Stadt mit den meisten Überwachungskameras weltweit. Ein trauriger Rekord. Letztes Jahr konnte man in der Netzpresse lesen und sehen wie selbst das Filmen und fotografieren von öffentlichen Gebäuden verboten war. (Die News finde ich leider nicht mehr, waren glaube ich sogar 2, sehr interessante.)

Zuletzt wurde Erschreckendes an Plänen für die Olympischen Spiele 2012 in London bekannt.


Ein Zaun, 17,5 km lang, geladen mit 5000 Volt, besetzt mit 900 Überwachungskameras, die sowohl bei Tageslicht als auch bei Nacht funktionsfähig sind, eine Kamera alle 50 Meter. Dazu kommen Gesichts- und Iriserkennung, die Registrierung von Finger- und Handabdrücken, eine neue Software, mithilfe derer die Überwachungskameras einer Person durch die Stadt folgen können, sowie Patrouillen mit Such- und Wachhunden. Gerüchten zufolge plant die Londoner Polizei auch den Einsatz unbemannter Überwachungsdrohnen. Was beinahe harmlos erscheint, wenn man bedenkt, dass die Royal Air Force auch ferngesteuerte Drohnen einsetzen will, allerdings bewaffnet mit lasergelenkten Bomben und Raketen, und die Royal Navy ihren neuesten Zerstörer auf der Themse stationiert.

UN-GLAUB-LICH!

Doch nun hat die neue Regierung erste Pläne aus dem Koalitionsvereinbarung veröffentlicht: “Vorratsdatenspeicherung abschaffen, biometrische Personalausweise einmotten und Netzsperren aufheben”, sowie andere (DNA-)Datenbanken über Bürger (Öko- und Kriegs-Demonstranten wurden auch mal eben erfasst). Doch das soll noch nicht alles sein. Weitere Dinge sollen zumindest reguliert und/oder geprüft werden.

Obwohl am nächsten am Überwachungsstaat hat man letztes Jahr besonders oft aus GB von verlorenen Daten gehört. Laptops, USB-Sticks, im Zug oder sonst wo liegen lassen. Und immer schöne Daten über andere. Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie sich das jetzt entwickeln wird.

Demokratie – Das Spiel

Das Britische Parlament lässt im eigenen Auftrag ein Spiel programmieren, in dem die Funktionen der Demokratie und die politische Interaktion des Parlamentes den vorrangigen Spieleinhalt repräsentiert. Edutainment also, in einer neuen politischen Variante.

Das 405.000 € (350.000 Pfund) teure Projekt wurde dabei schon vom Ober- und Unterhaus verifiziert. Entwurf, Entwicklung und Auslieferung des Programms sollen mit den gegebenen Finanzen größtmöglich abgedeckt sein.

Im „Official Journal of the European Union“ heißt es, das Programm soll dazu dienen, Jugendliche einerseits zu unterhalten und zu faszinieren, andererseits aber über Demokratie, Gesetzgebung und Repräsentanten der Öffentlichkeit aufklären. In einer gemeinsamen Pressemitteilung lassen beide Parlamentshäuser verlauten, der Spieler habe die Möglichkeit, „der Regierung auf die Finger zu sehen, die Öffentlichkeit zu repräsentieren und Gesetze zu machen“.

Man darf dabei äußert gespannt darauf sein, ob die gewählte Zielgruppe überhaupt ein Interesse daran zeigen wird, ein Spiel zu kaufen, das einen reinen politischen Hintergrund besitzt. Nicht nur in Deutschland, auch in Großbritannien, hat die Politik mit einem großen Desinteresse von Jugendlichen gegenüber der Politik und politischen Entscheidungen zu kämpfen. Fragwürdig wird auch bleiben, ob mit dem geringen Budget überhaupt ein qualitativ hochwertiges Spiel programmiert werden kann, oder ob das Spiel gar schlussendlich überhaupt erscheinen wird.

Aber allein schon der Wille der britischen Regierung sollte Tribut gezollt werden, überhaupt ein Spiel als Träger für politische und wirtschaftliche Bildung auszuwählen um damit potentielle jugendliche Wähler zu erreichen.

Sollten neue Informationen zu diesem Spiel erscheinen, wir werden es euch wissen lassen.

Polit-Talk auf ESL TV: Eine Rückbetrachtung

Am gestrigen Abend war es soweit: Erstmalig lud die ESL politische Gäste zu einem Talk im ESL TV ein. Nach dem Vorbild der TV-Sendung „Hart aber fair“ sollten insbesondere Medienbildung, die „Killerspiel“-Debatte und der Medienstandort NRW thematisiert werden. Wer ein handfestes Streitgespräch erwartete, wurde enttäuscht. Dennoch sendete die Show positive Signale an die Politik über Nordrhein-Westfalen hinaus.

Moderiert wurde die einstündige Sendung vom ehemaligen GIGA-Moderator Colin Gäbel. Zu Gast waren die NRW-Landtagsabgeordneten Marc Jan Eumann (SPD), Thomas Jarzombek (CDU), Oliver Keymis (Grüne), Wout Nierhoff (FDP) und als Newcomer Christian Horchert (Piratenpartei). Die Linke entsendete keinen Vertreter. Bereits im Vorfeld konnten Spieler aus der Community Fragen an die Diskussionsrunde formulieren, während der Sendung nahm der Community Manager Alexander Holtz Shedden Fragen live aus dem IRC entgegen.

Einvernehmliche Standpunkte zum Thema „Killerspiele“

Während einige Spieler im Vorfeld ein Streitgespräch erwarteten, zeigten sich alle Teilnehmer bei den drei Themen der Sendung äußerst einvernehmlich. Thomas Jarzombek betonte, dass die „Killerspiel“-Debatte in NRW eigentlich kein Thema sei. NRW habe sich parteiübergreifend stark für die Gamercommunity und neue Medien eingesetzt, was sich nicht zuletzt durch die gamescom in Köln belegt werde. Die problematischen Diskussionen fänden vor allem im konservativeren Süden Deutschlands statt. Als Beispiele wurden hier Christian Pfeiffer sowie das abgesagte Intel Friday Night Game nach dem Amoklauf von Winnenden angeführt.

Während die einvernehmliche Diskussion aller Parteivertreter im IRC von einigen Spielern von Hohn begleitet wurde, sendete sie jedoch positive Signale an ihre Parteikollegen aus anderen Bundesländern. Insofern bleibt zu hoffen, dass obgleich des ausgebliebenen Streitgesprächs der Polit-Talk der ESL eine aufklärende Wirkung für Politiker anderer Landesverbände entfaltet.
Potential für Streitgespräche hätte es indessen durchaus gegeben: Während alle Beteiligten sich weitestgehend zufrieden mit der Arbeit der USK zeigten, wurde die umstrittene BPjM nicht thematisiert. Jene Institution ist der Grund für Indizierung von Computerspielen wie der kürzlich aus dem Handel beschlagnahmten internationalen Version des Zombie-Shooters Left4Dead 2. Gerade im Bereich des Jugendschutzes gehen die Standpunkte von CDU und Piratenpartei weit auseinander, kein Diskussionsteilnehmer wagte aber die direkte thematische Konfrontation. Vergleichbare Fragen, wie z.B. der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag und Internetsperren wurden auch von mehreren Spielern nachgefragt und hätten durchaus für Zündstoff sorgen können. Im engen Zeitrahmen fanden diese Themen aber nicht mehr in die Sendung.

Für eine Überraschung sorgte Thomas Jarzombek, der sich begeistert von der Forderung der NRW-Piraten zeigte, für jeden Schüler einen Laptop ab dem 5. Schuljahr bereitzustellen. Die Piratenpartei hatte erst kürzlich diese Forderung nach dem Vorbild der Initiative „One Laptop per Child“ in ihre für NRW geplante Bildungsreform aufgenommen, um die Medienbildung und den Umgang mit modernen Medien früh zu fördern. Jarzombek wies zwar auf das Fehlen jener Forderung im CDU-Wahlprogramm hin und wollte keine Versprechungen machen, bekundete aber sein persönliches Interesse an der Unterstützung dieser Idee.

Nicht ohne Kritik

Obwohl alle Gäste sich demonstrativ auf Seiten der Gamercommunity stellten, wurde die Diskussionsrunde nicht von Kritik verschont. Angezweifelt wurden unter Anderem die Bemerkungen von Thomas Jarzombek, die CDU habe sich intensiv für neue Medien eingesetzt. Er erwähnte hierbei den ehemaligen NRW-Minister für Medien und Europa, Andreas Krautscheid, der von einem zum anderen Gaming-Event toure. Dass dieser als Schirmherr des deutschen Entwicklerpreises jedoch zwei Jahre in Folge vom Event fern blieb, fand keine Erwähnung. Auch wurden die häufig sehr umfangreichen Beiträge der Politiker kritisiert, die wenig Zeit für Publikumsfragen ließen, gerade mal zwei kamen in die einstündige Sendung durch.

Die Abschlussplädolyers nutzten die Vertreter der verschiedenen Parteien für einen Wahlaufruf zur Landtagswahl, darüber hinaus appellierten Eumann, Horchert und Keymis an die Gamercommunity, sich weiterhin mit kreativen Ideen einzumischen und auch über Parteilichkeit hinaus ihrer Stimme Nachdruck zu verleihen. Moderator Gäbel deutete am Ende der Sendung eine mögliche Fortführung derartiger Talkrunden an, ein mögliches Thema könnte hier die Bildung – eines der klassischsten Landesthemen – sein.

Den kompletten Mitschnitt des Polit-Talks könnt ihr hier ansehen: http://tv.esl.eu/de/vod/view/22082